Gewöhnung = Habituation
Gewöhnung oder Habituation bezeichnet eine einfache (und beim Menschen
in der Regel nicht-bewusste) Form des Lernens. Habituation setzt ein, wenn ein
Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist. Die Reaktion auf diesen
Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich
völlig. Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern,
nimmt die Reaktionsbereitschaft des Individuums in der Regel wieder zu.
Das wiederholte Auftreten desselben Reizes führt dazu, dass die normale Reaktion immer schwächer wird. Bei Meeresnacktschnecken löst eine chemische Substanz an den Tentakeln ihres Fressfeindes, eines Seesterns, Fluchtverhalten aus. Nach mehreren rasch aufeinander folgenden Zusammentreffen erhöht sich jedoch die Reizschwelle, welche die Flucht auslöst, und die Schnecke flieht nicht mehr vor der Bedrohung. Einfache Muskelermüdung spielt hierbei keine Rolle, denn eine andere Art der Stimulation, etwa ein Lichtblitz, stellt die normale Reizschwelle sofort wieder her. Folglich sind Nervensysteme von vornherein so ausgelegt, dass sie die normalen Hintergrundreize ihrer Umgebung zu ignorieren lernen und sich stattdessen auf Veränderungen des vertrauten Zustands konzentrieren.
Gewöhnung ist mehr als Erschöpfung
Dass es sich beim Phänomen der Habituation um keine
bloße "Erschöpfung" der an der Wahrnehmung des Reizes beteiligten
Sinneszellen handelt kann man leicht an folgendem Beispiel
nachvollziehen: Der Mensch gewöhnt sich nach kurzer Zeit zum Beispiel an
das nächtliche, gleichmäßige Summen der Fahrzeuge auf einer entfernten
Autobahn, bis er dieses Hintergrundgeräusch schließlich nicht mehr als
störend wahrnimmt. Sobald das Geräusch aber aussetzt, weil man an einem
absolut ruhigen Ort übernachtet, bemerkt man, dass etwas "nicht stimmt".